Auf der niedersächsischen Seite der Elbe liegt der vom NABU Geesthacht betreute Hachedesand.
Ein Paradies für Brutvögel und Durchzügler. Rechnet man den vor Hachedesand liegenden Werder dazu, konnte ich 78 Arten im Jahr 2025 beobachten. 17 Arten davon haben im vergangenen Jahr erfolgreich gebrütet. Darunter ein Flussregenpfeiferpaar, das wie schon 2024 einen Jungvogel groß bekommen hat. Auch sieben junge Gänsesäger wurden großgezogen und waren immer wieder mit dem Weibchen auf und vor dem Hachedesand zu beobachten. Nachwuchs gab es auch bei Kanadagans, Mäusebussard, Star, Bachstelze, Schwarzkehlchen, Schilfrohrsänger, Stieglitz, Wiesenschafstelze, Singdrossel, Stockente, Rabenkrähe, Feldlerche, Rohrammer, Teichrohrsänger und Zilpzalp. Sicher hat es noch weitere Bruterfolge auf dem Hachedesand in den großen, unzugänglichen Schilfflächen gegeben.
Oft war der wunderschöne Gesang der Nachtigall zu hören. Einige Jahre mussten vergehen, bis ich dem feinen Gesang der Beutelmeise wieder lauschen konnte. Klein-, Grün- und Buntspecht suchten im Auwald nach Nahrung. Dem Eisvogel konnte man beim Fischen zusehen.
Auch rastende Vögel auf dem Durchzug waren zu beobachten: Der große Brachvogel, Alpenstrand-, Bruchwasser- und Waldwasserläufer sowie Bekassinen und Zwergmöwen.
Ein Highlight erlebte ich im Juli: Eine beringte Zwergseeschwalbe hielt sich zwei Tage auf dem Hachedesand auf. Zusammen mit einem befreundeten Ornithologen gelang es uns, den Beringungsort zu bestimmen. Sie wurde 2024 in Polen als Nestling beringt.
Auch eine Fuchsfamilie mit zwei Jungfüchsen war auf dem Hachedesand anwesend - was natürlich für einen Bruterfolg nicht immer förderlich ist.
Daher entschlossen wir uns erstmals, einen Brutvogelschutzzaun und eine Wildkamera aufzustellen.
Die vorher erwähnten Bruten von einer Wiesenschafstelze, Bachstelze und einer Stockentenfamilie
waren, geschützt vom Schutzzaun, erfolgreich.
Um die Vegetation kurz zu halten, hat uns unsere diesjährige Schafherde kräftig unterstützt.
4. Oktober 2025: Am Morgen um 7 Uhr waren die Wiesen auf dem Hachedesand noch ungewohnt "vogelleer". Aber auf der Elbe tummelten sich doch kleine Gruppen verschiedener Vogelarten: Zwergtaucher, Graugänse und Stockenten. In der Luft waren ständig Rabenkrähen, Dohlen und später auch Stare unterwegs.
Für uns Beobachter der ersten Schicht von 7 bis 10 Uhr begann ein ständiger Kampf gegen Sturmböen und Regenschauer, die uns auch manchmal unter der Plane des Tiertransporters erwischten und die Protokollbögen durchnässten. Besonders gefreut haben wir uns über 2 kleine Vögel: ein Eisvogel und ein Schwarzkehlchen waren am Elbufer unterwegs.
Die Schicht von 16 bis 19 Uhr konnte leider wegen kurzfristiger Erkrankung der Beobachter nicht durchgeführt werden. Sehr schade, so konnten zwei Glanzlichter der "12 Stunden“ nicht erlebt werden: das melodiöse Konzert sich am Hachedesand versammelnder Brachvögel und der beeindruckende Schlafplatzanflug hunderter Wildgänse.
Die auf der niedersächsischen Seite (gegenüber Geesthacht) in der Elbe liegende „Vogelinsel" hat sich in den letzten Jahren recht positiv entwickelt. Diese Vogelinsel wird seit fast 50 Jahren von der NABU Ortsgruppe Geesthacht in Abstimmung mit dem Wasser- und Schifffahrtsamt Lauenburg und seiner Außenstelle Geesthacht betreut. Die Bedeutung der Vogelinsel liegt darin, dass diese Flächen weitgehend frei gehalten werden von menschlichen Einflüssen, dass die Natur sich hier sich selbst überlassen bleibt. Durchgeführte Baggerarbeiten für die Herrichtung von Prielen und Teichen waren für die Natur vorteilhaft.
In der Laichzeit kommt es in den Prielen zu einem hohen Vorkommen an ablaichenden Brassen und in der Folgezeit zu hohen Beständen an Jungfischen. In der Teichanlage sind erwähnenswert das gute Vorkommen an Grünfröschen und der seltenen Schwanenblume, sowie die hohe Bestandsdichte des seltenen Schlammlings (Pflanzenart an Schlammflächen). Im Schilfgürtel existieren während der Sommerzeit gute Bestände an Sumpf- und Teichrohrsängern (15-17 Brutpaare), sporadisch kommen solche Raritäten wie Blaukehlchen, Wasserralle, Bartmeise, Beutelmeise, Kornweihe etc. vor.
Die wahre Attraktion der Vogelinsel ist aber die der Zentralfläche vorgelagerte Sandbank. Durch die Frühjahrshochwasser der letzten Jahre hat sie sich wesentlich vergrößert. Sie ist weitgehend vegetationsfrei. Das ist für die meisten Vogelarten von Vorteil. Während der Zeit des Vogelzuges können auf der Sandbank über einen längeren Zeitraum bis zu 1.000 Kiebitze beobachtet werden, hunderte von Graugänsen, Trupps von Kanadagänsen, reichlich Kormorane und verschiedene Arten von Möwen. Auch der Durchzug von Limikolen (Watvögeln) wie Alpenstrandläufer, Bekassinen, Zwergstrandläufer etc. ist bemerkenswert. Ein großes Erlebnis ist auch der Durchzug von Trauerseeschwalben im April bzw. Mai.
Es vergeht kaum ein Insel-Tag, an dem kein reiches Vogelleben herrscht. Das ändert sich nur dann, wenn im Winter häufiger der Seeadler auftaucht. In den Wintern der letzten Jahre hat sich im Vordeichbereich eine Überwinterungstradition von Gänsen ausgebildet, speziell der Graugans (Anser anser) sowie der hochnordischen Blässgans (Anser albifrons), die über Monate die Grünflächen als Rast bzw. Futterplatz nutzen.
Pflegemaßnahmen:
Regelmäßige Mahd und Beweidung durch Schafe. Entfernung der Vegetation aus den Prielen um die Durchströmung der Wasserflächen zu erhalten. Wir sind dem WS-Amt Lauenburg dankbar, dass die Vergrößerung der Sandbank seit Jahren toleriert wird.
Im Bereich der Vogelinsel (Zentralfläche u. Sandbank) und dem kleinen Waldstück werden durch Herrn Dr. Ringe regelmäßige Vogelzählungen durchgeführt.
10 Jahre ist es her, dass im Programm des NABU Geesthacht von 2012 die Ankündigung stand: Frühwinterliche Impressionen an der Elbe – ich horchte auf. Da geh ich mal hin. Fernglas umgehängt. Pünktlich um 10 Uhr am Sonntagmorgen des 15. Januars beim Freibad treffen. Fahrgemeinschaften bis zur Elbbrücke – niedersächsische Seite. Aussteigen und zu Fuß weiter.
Bei herrlichem Winterwetter und toller Sicht ging es am Südufer der Elbe, an der alten Fischtreppe vorbei, per pedes weiter Richtung Osten zum Hachedesand. An die 40 interessierte Teilnehmer hatten sich zusammengefunden, um Wasservogelimpressionen zu erleben; Leitung Dr. Friedhelm Ringe. Wir wurden reichlich belohnt. Klamme Finger und kalte Füße waren bald vergessen; man schaute auf die winterlich schöne Elbe. Friedhelm Ringe gab umfangreiche Informationen und den beobachteten Vögeln und erläuterte ökologische Zusammenhänge und Entwicklungen der Landschaft Elbniederung. Die große Gruppe zeigte sich sehr interessiert, war konzentriert bei der Sache und hochmotiviert. Für eine Strecke von zwei Kilometern benötigten wir zwei Stunden: da muss ja viel los gewesen sein, war es auch. Deutlich zeigte sich wieder einmal, dass oft der Weg das Ziel ist.
Insgesamt 25 Vogelarten konnten wir beobachten und im vollen Licht gut erkennen, darunter vier Gänsearten (Graugans, Brandgans, Blässgans, Weißwangengans), alles Zugvögel aus dem hohen Norden. Stockenten, Schellenten, Krickenten und Tafelenten schwammen zwischen Gänsesägern, Kormoranen und Haubentauchern umher und saßen auf der Hachede-Sandbank zwischen Silbermöwen und Mantelmöwen. Ein Trupp von 30 Kiebitzen brachte ein wenig Frühlingsstimmung in die Gruppe.
Besonders beeindruckend war ein Seeadlererlebnis: schon von der Elbbrücke aus konnten man einen fliegen sehen. Er setzte sich in eine Weide, flog dann stromaufwärts, die Enten und Gänse hochjagend, und setzte sich in einen Baum am Geesthachter Elbufer. Kurz darauf setzte sich ein zweiter Seeadler dazu; sie waren offenbar ein Paar. Später flog einer der Seeadler ganz nah an uns vorbei stromaufwärts, um irgendwo zu rasten.
Während die Gruppe die Rückkehr zum Auto antrat, erlebten einige, die noch geblieben und etwa 50 Meter weiter gegangen waren, einen der Seeadler im optimalen Licht aus nur 100 Metern (!) Entfernung auf einer winzigen Sandbank stehend. Eine Rabenkrähe „spielte“ mit ihm, zupfte an seinen Schwanzfedern, rupfte am Seitengefieder. Der riesige, schwerfällige Adler hatte keine Chance gegen die gewandte Krähe, die um ihn herumtollte, und erduldete ihre „Attacken“. Zeitgleich flogen zwölf Kraniche über die Szene. Toll! Die Natur zeigte sich uns so ganz nebenbei auf allerschönste Weise: der Hachedesand ist einen Ausflug wert, Ferngläser sind zweckmäßig.
Ein kurzer Bericht über den Vogelbeobachtungstag am 8. Oktober 2022 beim Hachedesand/Elbe Niedermarschacht: Von 7:00 bis 19:00 Uhr waren dort vier Gruppen zu zweit oder dritt je 3 Stunden beobachtend und alle Vögel protokollierend tätig. Von den insgesamt 31 Arten gehörten 21 erwartungsgemäß zu den Wasser- und Feuchtgebiets-Gemeinschaften, nur 10 zu den terrestrischen Biozönosen; außer Turmfalke und Ringeltaube nur Singvögel, wie z.B. Stare.
Ungemein beeindruckend aber waren die abendlichen Stimm- und Fluggeräusche der zur Nachtruhe "herabstürzenden" Bless- und Weißwangengänse. Und, sehr anrührend, das melodische Flötenkonzert von 70 Langschnäbeln, der aus unseren Breiten fast überall vertriebenen Brachvögel.
12 Stunden am Hachdesand: Ein unvergessliches Naturerlebnis.