Als am Sonntag, den 16. März 2025, gegen 15 Uhr unser Telefon klingelte, ahnten wir noch nicht, wie sehr uns ein einziges Tier die nächsten Wochen beschäftigen würde. Eine Polizistin der Einsatzleitstelle Lübeck rief uns an: Eine Spaziergängerin habe an der Elbe hinter dem Campingplatz Tesperhude einen hilflosen Biber gesehen, der nur wenige Meter vom Elbwanderweg entfernt an einen Baum gelehnt gesessen habe. Der Hund der Spaziergängerin habe sie auf das Tier aufmerksam gemacht.
Das mussten wir mit eigenen Augen sehen, also fuhren wir sofort zu der genannten Stelle. Und tatsächlich: Wie beschrieben saß der Biber am Baum, putzte sich immer mal wieder und ruhte sich aus. Mit dem Fernglas konnten wir keine Verletzungen an ihm entdecken. Wir stellten nur fest, dass es sich um einen gut betagten Biber handelte.
Aber was machen wir jetzt mit dem alten Nager? Um das zu besprechen, wandten wir uns an Förster Guiard, der für das Naturschutzgebiet an der Elbe zuständig ist. Dieser riet uns, erst einmal abzuwarten.
Am nächsten Morgen entdeckte dann ein Mitarbeiter des Försters den Biber einige Meter von dem Baum entfernt in einem Versteck. Auch später saß der Biber noch dort, als wir selbst vorbeischauten. Nachdem der Biber am darauffolgenden Tag nochmal sein Versteck gewechselt hatte, konnte Guiards Mitarbeiter das Tier einen Tag später nirgendwo mehr finden. Der alte Biber war spurlos verschwunden – vorerst.
Drei Wochen später, am 9. April 2025, meldete eine weitere Spaziergängerin dem NABU Geesthacht eine Sichtung am Hohen Elbufer: Ein alter Biber habe in einer Baumhöhle gesessen. Das mussten wir natürlich selbst überprüfen.
Wir verabredeten uns mit der Augenzeugin am Campingplatz Tesperhude, um uns von ihr das Versteck zeigen zu lassen. Dies war ca. vier Kilometer vom letzten bekannten Aufenthaltsort des alten Bibers entfernt. Allerdings hatten wir an dem Tag kein Glück und konnten das Tier an seinem neuen Versteck in der Baumhöhle nicht entdecken.
Einige Tage später nahm jedoch eine weitere Spaziergängerin Kontakt zum NABU auf und berichtete mehrere Sichtungen des Bibers in und an seiner Baumhöhle – drei Tage hintereinander. Und das war noch nicht das Ende der Berichterstattungen: Eine weitere Fußgängerin sah den Biber in ebenjener Baumhöhle, nachdem ihr Hund das Tier gewittert hatte.
Also machten wir uns wieder auf den Weg zum Biberversteck und trafen den aufmerksamkeitserregenden Nager dieses Mal persönlich an, während dieser quicklebendig in seiner Baumhöhle saß.
Nach einer weiteren Sichtung einer Spaziergängerin konnten wir den Biber Ende April nicht mehr in seiner Baumhöhle finden. Wir fanden jedoch Spuren von ihm in einem Umkreis von etwa 300 Metern. Unter anderem entdeckten wir auch Kotspuren auf dem Elbwanderweg – das ist selten. Denn normalerweise scheiden Biber ihren Kot im Wasser aus. Daher fragten wir uns, ob das alte Tier überhaupt noch schwimmt. Wir sahen zwar einige schmale Pfade Richtung Elbe, konnten aber nicht eindeutig feststellen, ob die von diesem Biber stammten.
Diese Sichtung der Fußgängerin Ende April war die letzte Spur, die wir von dem alten Biber bekommen sollten. Seitdem haben wir ihn weder gesehen noch von ihm gehört. Gemeinsam mit Förster Guiard entschieden wir außerdem, das Versteck nicht publik zu machen, damit das Tier nicht unnötig gestört wird. Denn wenn der Nager noch lebt, hoffen wir, dass es ihm weiterhin gut geht und er seine alten Bibertage in Ruhe verbringen kann.
Wir freuen uns über die Aufmerksamkeit der Spaziergängerinnen, die ihre Beobachtungen sofort meldeten. Vielen Dank für eure Hilfe und auch an Förster Guiard für die Unterstützung. Und wer weiß – vielleicht gibt es 2026 ja doch ein Wiedersehen mit dem alten Biber auf seinem eigenen Weg.
Das Jahr 2022 war leider kein glückliches Jahr für unsere Biber an der Elbe zwischen Geesthacht und dem Sandkrug in Schnakenbek.
Bei den Sturmfluten im Februar wurden drei der acht uns bekannten Burgen abgetragen, zum Teil auch stark beschädigt. Zwei davon scheinen bis heute verlassen zu sein. Die dritte Burg in der Nähe des Feldherrnhügels, die uns seit 2015 und damit am längsten bekannt ist, wurde zu unserer großen Freude allerdings wieder von Bibern aufgebaut. Dort war alles in Ordnung – Fraßspuren in Burgnähe zeigten uns, dass die Biber hier wieder aktiv waren.
Doch dann der große Schreck: Auf unserem Kontrollgang zu den Revieren im November sahen wir, dass die schöne Burg fast komplett abgeräumt war, nur einzelne Stöcker lagen noch herum. Wir konnten es kaum glauben! Was ist hier passiert?
Nach intensiver Suche fanden wir in unmittelbarer Nähe die schockierende Ursache: Reste eines Lagerfeuers. In den verkohlten Überresten entdeckten wir eindeutig Stöcker aus der Biberburg. Möglicherweise geschah die Zerstörung aus Unwissenheit, trotzdem ist dieser Eingriff eine strafbare Handlung. Denn der Biber hat in Deutschland die höchste Schutzstufe. Weder er selbst noch seine Umgebung darf gestört oder gar zerstört werden.
Da die wasserliebenden Nager sehr scheue Tiere sind, vermuten – und hoffen – wir, dass sie bei der massiven Störung rechtzeitig das Weite gesucht haben. Und wir hoffen, dass sie sich in ihrem Revier, das bis zu sechs Flusskilometer groß sein kann, eine neue Burg bauen – oder vielleicht sogar schon gebaut haben.
Zusammen mit Frau Stüber vom Fachdienst Umwelt der Stadt Geesthacht, Heike Kramer (1. Vorsitzende NABU Geesthacht) und Ralf Schütze-Buzello (NABU Geesthacht, Naturschutzwart) sahen wir (Biberbeauftragte NABU Geesthacht) uns den Tatort an. Uns lag besonders am Herzen, dass die Presse die Leser*innen über dieses Vergehen informiert – so berichtete u. a. die Lauenburgische Landeszeitung am 30. November 2022 darüber. Denn es ist wichtig, dass die Menschen die Biberburgen als solche erkennen und ausreichend Abstand dazu halten, um den Lebensraum der Nager nicht zu gefährden.
Wir behalten die Reviere natürlich weiterhin im Auge und hoffen, dass es in Zukunft keine weiteren Verluste mehr gibt.
Nachdem der Biber in Europa als fast ausgerottet galt, ist nun seit einiger Zeit eine natürliche Wiederbesiedlung entlang der Elbe zu beobachten. In den 1990er Jahren gab es erste Meldungen von Biberspuren bei Lauenburg und im Bereich des bis nach Geesthacht reichenden Naturschutzgebietes Hohes Elbufer. Hier befindet sich ein idealer Lebensraum für die vegetarischen Nager, der ihnen ein großes Angebot an Nahrung und Baumaterial bietet: Weiden, Pappeln, Erlen, Eschen, Gräser, Schilf und Wasserpflanzenrhizome – all das finden sie hier.
Mittlerweile zählen wir acht bekannte Reviere mit Biberburgen zwischen der Geesthachter Elbbrücke und dem Sandkrug in Schnakenbek. Da die Elbufer aber dicht bewachsen und unwegsam sind, können sich dort noch weitere, bislang unentdeckte Burgen befinden. Auch die dämmerungs- und nachtaktiven Bewohner sind nicht zuletzt wegen ihrer Scheu selten persönlich anzutreffen. Aufgrund der offensichtlichen Baumfällungen, Biberrutschen und -pfade sowie Fraß- und Nagespuren können wir jedoch davon ausgehen, dass in jedem der bekannten Reviere mindestens ein Biber lebt und aktiv ist. Durchschnittlich teilen sich drei bis vier Tiere ein Revier, daher könnte der Elbbereich zwischen Geesthacht und Schnakenbek momentan die Heimat von etwa 30 Bibern sein. Auf der niedersächsischen Elbseite sind uns zwischen Avendorf und Rönne drei bewohnte Burgen bekannt.
Doch nicht nur die Biberburgen können an der Elbe entdeckt werden, sondern seit dem 27. August 2021 auch ein Biber, der garantiert nicht scheu ist: Revierförster Hannes Koopmann schnitzte aus Eichenholz eine Skulptur des Nagetiers und würdigte somit das 25. Jubiläum der erfolgreichen Rückeroberung seines Lebensraumes zwischen Geesthacht und Schnakenbek. Zu finden ist der Holzbiber am Geesthachter Elbwanderweg und markiert den Anfang des Biberpfads in Richtung Schnakenbek.
Ein weiteres Highlight dieses Sommers war eine von Jens Gutzmann organisierte Kanutour für die aktiven NABU-Mitglieder. Am 18. Juni 2021 begaben wir uns mit den schmalen Booten auf die breite Elbe und beobachteten die Biberburgen einmal von einer anderen Perspektive. Kurz sahen wir auch einen Biber beim Schwimmen den Kopf aus dem Wasser strecken – doch im nächsten Moment war er schon wieder abgetaucht.
So, wie sich der Biberbestand in der Vergangenheit an der Elbe entwickelt hat, kann es auch gerne zukünftig weitergehen – und vielleicht sehen wir dann auch bald wieder Jungtiere.