Der Blühstreifen in Kollow

Monitoring durch Ralf Schütze-Buzello (2021)

Blühstreifen Monitoring in Kollow
Thies Stobbe, Lea Kramer, Jan Wissing, Ralf Schütze, Sophie Müller, Franziska Geyer, Ole Kramer (c) Heike Kramer

Einige naturinteressierte, private Sponsoren haben unter der Regie und Koordination von Andreas Koop (Vorsitzender der Rindergilde) in Kollow ca. 2 km Blühstreifen für den Naturschutz angelegt. Realisiert wurde das Projekt auf Äckern vom Erdmannshof und von Ines Tretau.

 

Auf Wunsch führten wir unter der Leitung von Heike Kramer zusammen mit Schülern des Otto-Hahn-Gymnasiums ein Monitoring über mehrere Monate durch. Es ging um die Dokumentation der vorhandenen Pflanzen- und Tierarten  auf den 6 m breiten Blühstreifen.

 

 

 

Durchführungsmethode

Speziell für im Osten von Hamburg  häufig vorkommende Tierarten wurde ein Quick guide (POWER POINT) gedruckt und Zähllisten (EXCEL) erstellt, um die Funde möglichst einfach und trotzdem konkret bestimmen zu können. Seltenere  Arten wurden mit Fotos über BestimmungsApps identifiziert und dann später über die Wikipedia Datenbank zusätzlich gecheckt. Bei diesem Tagmonitoring wurden keine Tiere wissenschaftlich mikroskopisch untersucht oder der Natur entnommen.

 

Bereits im ersten Jahr ist das Ergebnis beeindruckend:

  • 33 nicht eingesäte Pflanzenarten sowie
  • 17 Falterarten
  • 5 Wanzenarten
  • 9 Käferarten
  • 5 Hummelarten
  • 11 Fliegenarten
  • 6 Schneckenarten plus mehrere Spinnen-, Libellen- und Heuschreckenarten

insgesamt Tausende von Individuen!

 

Die Fliegen bildeten sogar eigene Beziehungsgeflechte (z. B. „Jäger und Gejagte“) mit mehreren Raubfliegenarten, einer Vielzahl von Schwebfliegen, Dungfliegen, Igelfliegen, Skorpionsfliegen usw. Die Schwebfliegen zählen zu den landwirtschaftlichen Nützlingen, weil die Larven mehrerer Arten Blattläuse fressen und die ausgewachsenen Fliegen (Imagines) wichtige Bestäuber sind.

Auch wenn man Vögel normalerweise nicht direkt einem Blühstreifen zuordnen kann, ist es doch eindeutig, dass die erhöhte Insektenanzahl unseren Grasmücken (Nester im angrenzenden Knick) sehr geholfen hat. Im September haben Gruppen von Buchfinken, Grünfinken und Spatzen die Samen der bewusst spät gemähten Blütenstände „geerntet“.

 

Zum Vergleich:

Im angrenzenden Haferfeld auf einem Streifen vergleichbarer Breite war die „Ausbeute“ des Tiermonitorings deutlich geringer: Lediglich ca. 10% der Artenanzahl des Blühstreifens wurde gefunden! Ein Unterschied wie Tag und Nacht.

 

Blühstreifen sind zusätzlich wichtige Verbindungswege und Rückzugsorte für viele Tierarten.

 

Obwohl unsere Erwartungen übertroffen wurden, ist für Februar 2022 ein Treffen mit allen Beteiligten geplant, um über Optimierungen bzgl. Saatgutmischung, Flächengestaltung und Mahd zu diskutieren.