Gruppe Geesthacht


HERSTELLUNG VON UFERSCHWALBENBIOTOPEN



Die Uferschwalbe(Riparia riparia), auch Sandschwalbe genannt, ist mit 12 cm Länge und einem Gewicht von 14 g unsere kleinste Schwalbenart. Durch ihre braune Oberseite und den nur gering gegabelten Schwanz ist sie relativ leicht von den Rauch- und Mehlschwalben zu unterscheiden.

Die Uferschwalbe ist, was die Brutplätze betrifft, sehr flexibel. Das muss sie auch sein, da ihre ursprünglichen Brutplätze im dynamischen Einflussbereich der Flüsse lagen und durch die Hochwasser ständig ihre Brutplätze in den sandigen Steilwänden verloren gingen oder neu entstanden.

Uferschwalbenwand in einer Kiesgrube


Nach mehrjährigen Beobachtungen in den betreuten Kiesgruben nimmt die Uferschwalbe ihre vorjährigen Brutröhren nicht wieder an. Es ergaben sich in den betreuten Kiesgruben eindeutige Beweise dafür, dass sich die Uferschwalben für die 2. Brut neue Brutröhren graben. Ein Hinweis dafür in der Fachliteratur gibt es nicht.

Die natürlichen Feinde sind der Baumfalke, der Sperber und insbesondere der Steinmarder. Jede Kiesgrube hat ihren Steinmarder, zu erkennen an Kot- und Krallenspuren sowie an aufgebrochenen Brutröhren. Es gibt auch Beobachtungen, dass ein Mäusebussard sich junge Uferschwalben fing, die vor den Brutlöchern saßen (Woltersdorf).


Die Bestände der Uferschwalben sind in den letzten Jahrzehnten stark rückläufig. Die Gründe dafür sind vielfältig:


] In den Rastgebieten in Afrika ist der Einsatz von Bioziden (DDT) in den Schilfgebieten zur Bekämpfung der Mücken(Anopheles) nach wie vor üblich und führt zu einer Belastung der Schwalbennahrung. Die Uferschwalbe zählt zu den Arten mit den höchsten Rückständen an chlorierten Kohlenwasserstoffen (u.a. DDT), die zurückzuführen ist auf Vergiftungen durch kontaminierte Insektennahrung (Oelke & Rüssel).


] Durch die große Bevölkerungsexplosion in Afrika gehen immer mehr Überwinterungsgebiete (Feuchtgebiete) verloren.


] Durch die Klimaänderung und den dadurch zunehmenden Turbulenzen in der Atmosphäre treten beim Zug höhere Verluste auf als früher.


] Durch die Kanalisierung der Flüsse sind so gut wie alle Brutbiotope verloren gegangen. Als Ersatzbiotope gelten heute die Abbauflächen in den Kiesgruben. Im Binnenland beträgt der Anteil der Kiesgruben als Ersatzbiotope für die Uferschwalben bis zu 80 %.


] Bei der Renaturierung von ehemaligen Kiesgruben werden aus gesetzlichen Gründen(Unfallgefahr) kaum Steilwände erhalten.


Wie wird geholfen?


Seit 8 Jahren werden die Uferschwalbenkolonien in 8 Kiesgruben betreut. Im wesentlichen im Wirkungsbereich der Firma Wunder GmbH, 19426 Lüttow/21493 Schwarzenbek und zwar mit den Kiesgruben:


19426 Lüttow - Ost und 19426 Lüttow – West

21502 Wiershop

21516 Woltersdorf

19258 Zweedorf – Süd und Zweedorf – Nord.


Ferner die Kiesgrube der Fa. R. Buhck in 21502 Wiershop und die Kiesgrube der Fa. Menneke/Karls in 21481 Buchhorst sowie eine Sandabbaufläche in 19258 Greven (Treuhandbesitz).


Die Herstellung von Steilwänden


In jeder dieser Kiesgruben gibt es Restflächen, Grenzflächen oder nicht mehr abbaufähige Flächen, die nicht mehr abbaufähig sind oder z. Zt. nicht abgebaut werden. Anfang Februar jedes Jahres werden die genannten Gruben bereist, den Firmen Flächen vorgeschlagen, die für die Uferschwalben infrage kommen und mit den Firmen dann abgestimmt.

Von Mitte Februar bis Mitte April jeden Jahres werden 40 – 50 Arbeitseinsätze zur Herstellung von Uferschwalbenwände geleistet, die von den Schwalben gern angenommen werden. So konnten z. B. an zwei Flächen in Woltersdorf im Jahre 2003 rund 200 Brutröhren an einer präparierten Wand festgestellt werden, die vorher nicht beflogen werden konnten.

Die Arbeiten werden zu einer Zeit begonnen, da die Wände gut durchfeuchtet sind. Die fertiggestellten Wände sehen dann schulmäßig oder bilderbuchmäßig aus. Aber es gehen in jedem Jahr Teilstücke in den fertiggestellten Flächen durch die Erosion wieder verloren. (Austrocknung, Regen). Aber dieses Problem ist nicht lösbar.

Die manuelle Herrichtung der Steilwände für die Schwalben wird so durchgeführt, dass von unten her (vom Fuß der beabsichtigten Höhe her) terrassenförmig von unten nach oben gearbeitet wird. Das hat den Vorteil, dass so die Wirkung der Gravitation ausgenutzt werden kann. Die über den Terrassen befindlichen Erdmassen rutschen so ab einer gewissen Neigung in die geschaffenen Vertiefungen.

Vorsicht ist allerdings geboten bei hohen Wänden mit stark überhängenden und größeren Sandmassen.

Würde man von oben nach unten arbeiten, verdichtete man den unter dem Arbeitenden liegenden Boden und erschwerte die Arbeiten.



Steilwand vor dem Herrichten




Steilwand in Greven nach dem Abstechen



Welcher Anspruch ist an die geplanten Biotopflächen zu stellen?


] Das Mineral darf nicht zu hohe Tonanteile enthalten, da die Schwalbe die Wand dann nicht zur Anlage von Brutröhren nutzen kann.


] Für zu hohe Kiesanteile gilt das gleiche.


] Mehrjährig gelagerter Mutterboden, der in den Kiesgruben zu einer Halde zusammengeschoben wird. Diese Mutterbodenhalden entstehen dadurch, das bei einer Neuaufschließung einer Abbaufläche der Mutterboden abgeräumt und für spätere Rekultivierungen benötigt wird. Werden diese Halden mit Maschinen (Fa. Wunder hilft hier teilweise mit einem Bagger) oder manuell angeschnitten, so nehmen die Schwalben diese Wände gern an.


] Ideal für die Schwalben sind die hellbraunen mineralischen Ablagerungen, die in der Regel aus der letzten Eiszeit stammen.


] Die geplanten Flächen sollten eine Mindestneigung von 45° haben, da sonst zuviel Boden bewegt werden muß. Die benötigte Steilheit sollte mindestens 80 – 90° betragen, da die Schwalben die Fläche nicht annehmen oder zu sehr gefährdet werden.


] Die Wandhöhe sollte mindestens 2 m betragen und sonst gilt, je höher je besser, um so sicherer sitzt die Schwalbe.


] Die Wandbreite sollte mindestens 2m betragen, da die Erosion auch ein gewisser Veränderungsfaktor darstellt und die Schwalben sonst zu gefährdet sind.

Erstaunlich ist manchmal doch, mit welchen kümmerlichen Flächen die Schwalbe sich manchmal zufrieden gibt (Ei-Not?).


Zählungen der Brutröhren erfolgen in der Zeit vom 20 –25 Mai, da dann alle Schwalben aus Afrika zurück sein müssen. Bei der Berechnung der Brutpaare werden 20 % der Brutröhren als Ausfall abgerechnet. Die Gründe dafür sind nicht besetzte, nicht fertig gebaute oder verlassene Brutröhren. Teilweise werden in anderen Gegenden die Zählungen erst im Juli durchgeführt. Das führt zu Ungenauigkeiten, da in den festgestellten Zahlen z. T. die 2. Brut enthalten ist.


Die Brutzeit der Uferschwalben beträgt 14 – 16 Tage, die Nestlingszeit (die Zeit vom Schlupf aus dem Ei bis zur Flugreife) beträgt 21 – 23 Tage.


Im letzen Jahr 2003 wurden in den 8 erwähnten Kiesgruben rund 800 Brutpaare festgestellt. Die Zahl hört sich ganz gut an. Man muss aber die große Fläche berücksichtigen, um die es sich hier handelt. Sie reicht von Geesthacht bis Woltersdorf (Nähe Mölln) und von Zarrentin bis Schwanenheide.



G. Förster, NABU Geesthacht, November 2004


Diese Anleitung ist hier auch als pdf File zu bekommen

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R. Doerffer, 15.4.2005