Quelle: Eduard Morawski, NABU Altkreis Norden Bauplansammlung von Nistkästen und Wohnhöhlen für Vögel, Insekten und Kleinsäuger, 4. Auflage
Man kann zwar die erforderlichen Nistkästen im Handel beziehen, aber es ist billiger und es macht wesentlich mehr Spaß, die erforderlichen Nistkästen oder Vogelschutzeinrichtungen selbst zu basteln und an geeigneten Plätzen in der Natur aufzuhängen.
Die Anleitungen, Anregungen, Tips und Beschreibungen auf den folgenden Seiten sollen es ermöglichen, bei einem vertretbaren Aufwand an Zeit und Materialien einwandfreie und in der Praxis erprobte Nistkästen zu bauen.
Deshalb wurden die Bauanleitungen und sonstigen vogelschutztechnischen Ratschläge und Hinweise so dargestellt, daß sowohl Schüler und Jugendliche als auch erwachsene Bastler damit arbeiten können.
Für den Bau von Nistkästen benötigen Sie nur einfaches Werkzeug, wie es in den meisten Haushalten in der Regel schon vorhanden ist: Bohrmaschine, Hammer, Zange, Säge, Raspel, Schraubenzieher, ein Metermaß und einen Winkel. Ein Schraubstock kann gute Dienste leisten. Für das Aussägen der Fluglöcher empfehlen sich Lochsäge oder Forstnerbohrer.
Bretter aus Fichte, Tanne, aber auch Weißbuche, Erle und Eiche. Holzbretter ungehobelt oder einseitig gehobelt in einer Stärke von 2 cm bei kleineren und 2,5 bis 3,0 cm bei größeren Höhlen werden verwendet. Die glatte Seite sollte stets nach außen zeigen.
Verbindungsmaterial: Holzleim, Nägel gestaucht oder geplattet, Länge 30 bis 50 mm.
Hilfsmaterialien: Haken, Winkel, Aufhängeösen, Krampen und Draht.
Dach: Das Dach kann zum Schutz gegen Regen mit Dachpappe verkleidet werden und sollte entweder nach vorn oder hinten geneigt sein.
Seitenwände: Seiten- und Vorderwände sollten möglichst eine rauhe Innenseite aufweisen, damit die Kleinvögel den Kasten besser verlassen können. Die Außenseite darf - um die Farbmenge zu reduzieren - eine gehobelte Oberfläche aufweisen.
Rückwand: Bei der Rundhöhle muß die Rückwand mit der Aufhängeleiste zum Reinigen entfernt werden, diese Konstruktion läßt eine andere Form der Reinigung des Innenraumes nicht zu. Bei dem Baumläuferkasten ohne Rückwand kann die Boden- und Dachform mittels einer Pappschablone vom Baumabschnitt auf die Holzteile übertragen werden.
Boden: Der Boden wird bei den meisten Kästen mit Wasserablauflöchern von etwa 6 mm Durchmesser (Anzahl je nach Kastengröße 4 - 6) ausgestattet. Bei dem Mauerseglerkasten kann der Boden im hinteren Bereich mit einer kleinen Nestmulde bestückt werden. Alle Rundkästen, die mit Dachpappe beschlagen werden, bleiben im unteren Bereich etwa 2 bis 3 cm frei, damit Schwitzwasser abfließen kann.
Beim Hornissenkasten ist der Boden geteilt und mit einem Schlitz versehen, durch den der Kot herausfallen kann.
Aufhängeleisten: Die Aufhängeleisten sollten möglichst aus Eiche sein und mit einer Unterlegscheibe im Befestigungspunkt versehen werden.
Vorbau und Tunnel: Der Vorbau oder Tunnel verlängert den Weg zum Brutraum und gibt dadurch einen besseren Schutz gegen Eichhörnchen, Marder und Katzen. Die Fütterung vom Vorbau oder Tunnel aus läßt bei Regen die Jungtiere nicht naß werden, außerdem dient der vorgezogene Bereich den Alttieren als Sitzplatz.
Fluglochbrett: Fluglochbohrungen sollten stets nach oben hin ansteigen, um so den Feuchtigkeitsanteil bei Regen auf ein Minimum zu reduzieren. In Brutrevieren mit starkem Spechtbesatz wird der Fluglochbereich mit Blech beschlagen.
Labyrinth: Das mardersichere Labyrinth wird bei einigen Kästen aus zwei im Abstand von 70 mm hintereinander gestaffelten Vorderwänden gebildet; durch den s-förmigen Einflug wird es dem Marder unmöglich gemacht, den Kasteninhalt auszuräumen.
Vorderwand: Die Vorderwand muß leicht zu öffnen sein, darf aber bei Erschütterungen (durch Wind) nicht herausfallen. Wo mit Störungen zu rechnen ist, muß die Vorderwand verschraubt werden, so daß ein Öffnen ohne Werkzeug nicht möglich ist. Verschiedene Vorderwände öffnen um einen Drehpunkt (DRP), der durch einen verzinkten Nagel oder eine Holzschraube gebildet wird. Bei einigen Vorderwänden wird auch mit Scharnieren gearbeitet. Der Verschluß wird meist durch einen Haken oder Vorreiber gebildet.
Einstreu: Alle Eulenkästen werden mit groben Hobelspänen als Einstreu ausgestattet. Diese Einstreu (3 - 5 cm hoch) wird alle 2 - 3 Jahre erneuert.
Anstrich: Um den Nistkasten gegen Feuchtigkeit, Pilz- und Insektenbefall zu schützen, streicht man nur die Außenwände - allerdings nicht erst kurz vor dem Aufhängen - mit Ölfarbe, besser noch mit Firnis oder einer wasserlösliche Farbe, die im Fachgeschäft zu haben ist.
Fledermauskästen: Alle Fledermauskästen sollten zugfrei gestaltet und an der Rückwand rauh oder mit eingefrästen Nuten versehen sein.
Besonderheiten im Bauplan: Besondere Merkmale sind in einem Kreis dargestellt, z.B. Gehrungen, Ausschnitte, Verschachtelungen, Winkel usw...
Holzbeton-Nistkästen: In der Zeit des Holzmangels kurz nach dem Kriege entwickelten findige Köpfe aus einem Gemisch aus Zement und Sägespänen die bekannten Holzbeton-Nistkästen, die z.T. bessere Eigenschaften haben als Holznistkästen. Trotz der vorzüglichen Eigenschaften der Holzbetonböhlen widmen wir den Modellen aus Holz einen breiten Raum, weil sie einfacher herzustellen sind.
Richtung des Flugloches: In Gärten oder Obstanlagen sollte man das Flugloch stets nach Südosten richten, in windgeschützten Waldungen ist dies nicht immer nötig. Doch sollte das Flugloch stets gegen das Licht gerichtet sein.
Aufhängehöhe: In umzäunten ruhigen Gebieten können kleine Höhlen in Augenhöhe etwa (1,5 bis 1,8 m) hängen. Eine Reinigung ist in diesem Fall weniger aufwendig. Ansonsten nimmt man eine Höhe von 2,8 bis 3,5 m. Große Kästen werden nicht unter 4 m Höhe aufgehängt
Die Reinigung der Nisthöhlen, d.h. die restlose Entfernung des alten Nestes, kann von Mitte September an erfolgen. Es erfolgt nur eine Reinigung mit Spachtel und harter Bürste, es werden keine scharfen Reinigungsmittel und Chemikalien verwendet. Fledermäuse werden selbstverständlich in Ruhe gelassen, die Reinigung erfolgt dann später im Herbst.
Zum Aufhängen der Nistkästen eignet sich der Herbst, weil einige Kleinvögel, Kleinsäuger und auch Insekten die Kästen dann zum Schlafen bzw. Überwintern nutzen können. Natürlich kann man die Kästen auch im Frühjahr bis Ende März in der Natur ausbringen.
Während der Brutzeit lassen sich viele Vogelarten bei akuter Gefährdung einige Meter umquartieren, ohne daß das Gelege oder die Jungen verlassen werden. Es ist hierbei aber sehr behutsam vorzugehen.
Zum Anbringen von Nistkästen eignen sich am besten ältere Bäume. Bei Jungbäumen kann es zu Schädigungen an der Rinde und am Stammholz kommen, wenn der Nistkasten nicht fachgerecht aufgehängt wird. Man sollte Zink- oder besser Alunägel verwenden, da sie rostfrei sind. Die baumschonendste Methode ist die Aufhängung mittels eines Drahtbügels, den man über einen Ast in passender Höhe legt und am Kasten einhängt. Als Unterlage für den Drahtbügel verwendet man am besten ein Stück alte Fahrraddecke, um Scheuerstellen zu vermeiden Für viele Kästen, besonders für Halbhöhlenbrüter, kann die Anbringung direkt an Haus, Schuppen, Halle oder Garage im Bereich des Dachüberstandes gewählt werden.
Über die Menge der aufzuhängenden Nistkästen wird in Vogelschutzkreisen immer noch diskutiert. In kleinen Gärten (bis 500 qm) reichen 4 bis 6 Nistkästen vollkommen aus. Es sei denn, daß in dem Gebiet besonders viele Insekten leben. Denken sie bei Ihren Überlegungen zum Bau der Nistkästen nicht nur an die Meisenschar, sondern helfen Sie auch den anderen Nischen-, Halbhöhlen- und Freibrütern in Garten, Feld und Wald.
Bei jedem Nistkasten, den man aufhängt, sollte man sich vor Augen führen, daß er nur eine Ersatzlösung ist. Auch der beste Nistkasten kann einen alten morschen Baum nicht ersetzen.
Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Bauen der Nistkästen!