Zwischenbericht des FÖJ

Einsatzstelle: NABU Gruppe Geesthacht

Verfasser: Christine Reusch, Januar 2006

 

Es ist kaum zu glauben, dass ich nun schon seit etwas mehr als 5 Monaten hier beim NABU in Geesthacht mein FÖJ absolviere und damit schon fast die Hälfte des Jahres um ist, denn die Zeit vergeht wie im Flug. Als ich hier am 01.08.05 angefangen habe, da habe ich mich zwar gefreut, aber in der ersten Zeit habe ich schon meine Familie und Freunde vermisst.

Doch das Heimweh hat sich schnell gelegt, denn während der Zeit habe ich schon vieles erlebt und auch eine Menge netter Leute kennen gelernt. Damit meine ich nicht nur die Arbeitskollegen, Chefs usw., sondern nicht zuletzt auch meine Mitbewohner.

Während der Zeit meines FÖJs bin ich im Wohnheim der GKSS untergebracht, zusammen mit einer Menge Doktoranten, Diplomanten und einer Auszubildenden.

Nun ist die erste Frage, die man hier gestellt bekommt, wenn neue Leute einziehen und man sich mit ihnen unterhält: Was machst du denn hier? Wie erklärt man denn auf Englisch was ein FÖJ ist? Glaubt mir, das ist eine Aufgabe, der ich schon ein paar Mal nachkommen musste, denn die Bewohner des Gästehauses kommen aus allen möglichen Nationen, wie z.B. Mexiko, Italien, Spanien, Slowenien, Bulgarien, Brasilien, Frankreich, Belgien, aber natürlich auch aus Deutschland. Ich lebe also mit 21 anderen Menschen in einer Art WG zusammen, in der hauptsächlich Englisch gesprochen wird. Darin liegt aber auch eine weitere Möglichkeit verborgen, denn sein Englisch kann man hier mit Leichtigkeit verbessern, wie ich am eigenen Leibe erfahren konnte. Und wenn doch mal Lücken auftreten, so ist das auch nicht allzu schlimm, denn kaum einer hier spricht perfekt Englisch. So habe ich interessante Menschen getroffen, auch wenn einige schon wieder abgereist sind, und einen Einblick in andere Kulturen bekommen. Und so wie ich andere Kulturen kennen gelernt habe, so wissen meine Mitbewohner jetzt, was ein FÖJ ist, denn davon hatten sie oft noch nichts gehört. Meistens beginne ich bei der Erklärung einfach mit der Übersetzung und mit meinen Aufgaben, wobei ich immer sage, dass es jeden Tag eine andere Aufgabe ist, denn genau das ist es, was gerade meine Stelle auszeichnet: Abwechslung.

Mein Wochenablauf sieht ungefähr so aus, dass ich Montagvormittag im Büro bin und am Nachmittag von 15-17 Uhr die Kindergruppe des NABU übernehme.

Der Vormittag dient dazu die Kindergruppe vorzubereiten und kleinere Sachen für den NABU zu erledigen, wie z.B. Internet-Recherche, Kopieren (ja das gehört auch dazu, wenn auch seltener) und ähnliches.

Am Nachmittag gilt es dann 3-5 kleine Kinder zu zähmen, wobei man zum Teil doch einiges zu tun hat, denn so ein Sack Flöhe ist nicht unbedingt einfach zu hüten, wobei das nun gar nicht negativ gemeint sein soll, aber man muss schon gut aufpassen. Es gilt schließlich ihnen auch etwas beizubringen. So betreuen wir beispielsweise einen Garten, der dem NABU gehört und an der Silberberg-Schule liegt. Außerdem machen wir Ausflüge in den Wald, wo die Kinder Pilze gesucht haben und die Kuhtränke besucht haben, zum Alten Friedhof, wo sie mit bei dem Bau eines Insektenhotels geholfen haben, sowie im Jugendzentrum, wo gebastelt, gebacken, gespielt wurde und wo Halloween-Kürbisse mit gruseligen Gesichtern verziert wurden. Manchmal können die „Kleinen“ mich schon nerven, aber Spaß macht es trotzdem. Nur dass ich so langsam wieder Werbung machen muss, denn momentan ist die Gruppe recht klein.

Ach das hätte ich fast vergessen. Während der Kindergruppe hilft mir Gökhan, der Zivi vom Umweltamt und im Gegenzug helfe ich ihm dann am Donnerstag bei seiner Arbeit. Am Anfang war es schon schwierig, denn wir beide haben am selben Tag angefangen und keiner von uns beiden wusste, wie wir die Treffen gestalten sollten. Aber meine Vorgängerin Melina hat mir einiges Nützliches hinterlassen und außerdem helfen die Leute vom NABU natürlich auch gern mal und erklären einzelne Gebiete, identifizieren die Pilze, damit ja kein giftiger in den Kochtopf kommt, und begleiten mich und die Gruppe bei Ausflügen ins Museum.

Am Dienstag helfe ich dann im Schülerlabor „Quantensprung“ des GKSS aus. Darunter fallen dann hauptsächlich Büroarbeiten, wie Kopieren, Stapel, bestehend aus Protokollen für die Experimente, für die Schüler erstellen, beim Aufräumen helfen und Statistiken führen. Besonders zu Beginn habe ich auch bei den Experimenten mitgemacht, welche sich allesamt um die Brennstoffzelle und Energie im Allgemeinen drehen. Denn in diesem Schülerlabor kann man alles Mögliche über alternative Energien erfahren, über die Brennstoffzelle und die Forschung im GKSS, weswegen es auch sehr gut besucht ist. Die Leute dort sind sehr nett und freundlich. Ein weiterer Punkt, der u. a. im Winter nicht zu verachten ist, ist der, dass es sich um einen der wenigen Tage handelt, an denen ich drinnen bin. Am Abend ist dann alle zwei Wochen das Treffen der NABU-Ortsgruppe Geesthacht, wo Termine, Veranstaltungen, Beobachtungen und Aufgaben besprochen werden und jeden vierten Dienstag im Monat hält jemand einen Vortrag, was bisher immer sehr interessant war. So bekommt man auch mal einen Überblick über das, was der NABU alles macht und ich habe mir das früher nicht so umfassend vorgestellt.

Nun sind wir auch schon beim Mittwoch angelangt, welcher durch die Arbeit in der Försterei charakterisiert wird. Da heißt es anpacken! Laub muss von den Wegen geharkt werden, damit diese trocknen können, die Wasserabläufe müssen immer wieder überprüft und erneuert werden, damit das Wasser abfließen kann und die Wege nicht aufweichen, und die Gefahren wie Äste und abzuknicken drohende Bäume oder ähnliches müssen auch entfernt werden, wobei der Forstwirt dabei die Motorsäge bedient und wir dann nur beim Einsammeln und zum Rand schaffen helfen. Jetzt im Winter kommt das Fällen von Bäumen natürlich häufiger vor, denn nun ist einmal die Saison dafür. Natürlich muss das Holz auch gehackt und gestapelt werden, was schon ganz schön auf die Knochen geht und auch im Sommer hatten wir Arbeiten, die sehr anstrengend waren. Wir, d.h. der Forstwirt Bernd Naulin und der Zivi Till sowie auch ich, waren auf einer Aufforstungsfläche im Einsatz, wo es galt das Unkraut, welches die jungen Bäume runterzog, per Hand zu entfernen. Bei der Hitze auf freiem Feld war das natürlich kein Vergnügen. Aber solche Sachen gehören halt auch dazu, was ich früher nicht ahnte. Es ist auch immer sehr spannend Geschichten des Forstwirts über die Vergan­gen­heit zu hören, denn er ist schon sehr lange dabei.

Donnerstags helfe ich dann, wie bereits erwähnt, dem Zivi im Umweltamt. Dieser sehr lange Arbeitstag wird u. a. durch Biotoppflege ausgezeichnet. Die Kuhtränke, ein Gebiet in Geesthacht, in dem man den Sonnentau und jede Menge Heide sowie den Königs- und Rippenfarn finden kann, wurde von uns von Brombeeren, Brennnesseln, kleinen Fichten, Eichen, Adlerfarn usw. befreit, so dass die Heide und die anderen seltenen Pflanzen sich weiter ausbreiten können und  ihr Lebensraum weiterhin erhalten bleibt.  Nun könnte man den Eindruck bekommen, dass ich nur Pflanzen zu Gesicht bekomme, doch wie die Beschreibung des Gebietes sowie des Tages in der Försterei vermuten lässt, habe ich auch schon einige Wildtiere gesehen. Auch wenn Gökhan sich nicht so sehr mit den tierischen Einwohnern anfreunden kann, so freue ich mich doch immer sehr darüber und ich könnte ruhig noch mehr Tiere zu Gesicht bekommen.

Der Freitag ist dann dem Büro gewidmet und es handelt sich dabei eher um einen ruhigen Tag. Ich bereite die Kindergruppe vor, erledige ab und zu ein paar Aufgaben vom NABU, wie z.B. das Zusammenstellen von Daten, sei es über den Bird-Watch-Tag oder die Nachtigall. Dieser Tag gehört nicht zu meinen Lieblingstagen, da es doch sehr ruhig ist und man sich leicht langweilen kann.

Nun besteht die Woche ja nicht nur aus den Tagen von Montag bis Freitag. Auch Einsätze am Wochenende kommen vor. Wie das Aushelfen an einem Stand des NABU auf einem Wochen­markt, ein Ausflug mit der Kindergruppe ins Helmsmuseum zur Neandertaler­aus­stellung, das Beobachten von Vögeln am Bird-Watch-Tag, was mir besonders gut gefallen hat, oder das Apfelsaftpressen am Apfeltag. Ich habe also schon einiges erlebt und die Aufgaben entsprechen genau dem, wie es mir beim Bewerbungsgespräch beschrieben wurde. In der Broschüre ist mir die Stelle gar nicht so aufgefallen und deswegen hatte ich mich auch gar nicht für diese beworben, doch durch die Erzählungen meiner Vorgängerin und durch das Bewerbungsgespräch bekam ich auch einen besseren Einblick und letztendlich bin ich hier gelandet, obwohl ich bei dem Bewerbungsgespräch zu Beginn gar kein so gutes Gefühl hatte. Doch ich finde es toll hier und bin froh hier gelandet zu sein.

Ich glaube während dieses Jahres sehe ich mehr von Deutschland als zuvor. Nicht nur dass ich mit meinen Mitbewohnern verschiedene Städte besuche, denn als eine Art Tourist wollen sie natürlich während der Zeit hier auch einiges sehen. Ich komme auch durch die Seminare und Berufsorientierungstage sowie Gelegenheiten wie das Juleica-Seminar in Orte, die ich noch nicht kannte.

Die Seminare sind ebenfalls eine willkommene Sache. So bieten sie sehr viele interessante Themen und ich habe bisher doch einiges gelernt. Dadurch dass sie auch durch uns gestaltet werden, sieht man alles aus verschiedenen Blickwinkeln und wir können selbst lernen, wie man solche Projekte plant, organisiert und das natürlich mit Hilfe unserer Betreuerinnen Ilka und Bärbel. Ich freue mich jedenfalls darauf das Schiffsseminar zu organisieren, auch wenn ich etwas gespannt bin, da ich normalerweise mit Schiffen nicht so viel am Hut habe und mir nicht sicher bin, ob ich seetauglich bin, doch es wird sicherlich mal eine andere Erfahrung. Natürlich bieten die Seminare auch die Möglichkeit die anderen FÖJler(innen) kennen zu lernen. Auch wenn ich diese Möglichkeit noch nicht wirklich ausgeschöpft habe, da ich doch eher ruhig bin, so finde ich die Tatsache, dass diese Chance auf den Seminaren gegeben ist, sehr gut. Allerdings kann man auf Seminaren auch so einiges vergessen, wie z.B. Schuhe, wenn man so schusselig ist wie ich. Also kann ich nur den Rat geben, immer schön auf alle Sachen zu achten und auch ich werde ihn nun selbst noch mehr beherzigen.

Insgesamt gefällt mir die Arbeit in dieser Einsatzstelle beim NABU in Geesthacht sehr gut. Nun ist Geesthacht zwar nicht so klein, wie einige Dörfer, in denen andere FÖJler(innen) arbeiten, doch mit 30.000 Einwohnern ist es überschaulich. Es gibt hier eine kleine Einkaufs­straße vier größere Supermärkte und einige Restaurants sowie ein kleines Kino. Man kann also schon einiges hier machen, doch für größere Sachen, wie den Weihnachtsge­schenke­Einkauf muss man dann doch nach Hamburg fahren, was mit dem Bus nur eine ¾ Stunde dauert und dort kann man natürlich auch feiern gehen, falls einem mal langweilig werden sollte. Mit meinen Mitbewohnern habe ich schon ein paar Ausflüge nach Hamburg gemacht, sei es zum Sightseeing, Shoppen oder Museumsbesuch. Außerdem besteht auch die Möglich­keit in Geesthacht den Sportverein zu besuchen, der alle möglichen Kurse anbietet. Ich selbst gehe dort derzeit zum Badminton zusammen mit ein paar Freunden, was sehr viel Spaß macht und auch ein bisschen fit hält.

Die Wochenenden in Geesthacht sind schon eher ruhig und daher ist es gut, wenn im Wohn­heim mal wieder ein paar Sachen geplant sind, wie z.B. ein DVD-Abend, ein Spaziergang an der Elbe, die sehr nahe ist, oder eine Feier anlässlich eines Abschieds, Weihnachten, Geburts­tagen oder einfach nur so. An dem ersten Tag als ich hier ankam, war ebenfalls eine Party im Gange und ich wurde sofort begrüßt und eingeladen und habe gleich ein paar Leute kennen gelernt. Allgemein wird man hier und im Wohnheim schnell in die Gemeinschaft aufge­nom­men und findet dementsprechend auch schnell Freunde. Natürlich gab es auch Leute, mit denen ich mich nicht verstanden habe, doch man kann sich ja auch nicht mit allen super verstehen. Die Hauptsache ist ja, dass es hier Spaß macht.

Auch Herr Dr. Doerffer, mein fachlicher Betreuer, ist sehr hilfsbereit und ich habe dieses schon oft genutzt. Leider hatte er gerade am Anfang für mehrere Wochen Urlaub, aber ich hatte seine Telefonnummer, und auch meine neuen Kollegen vom NABU und vom Schülerlabor halfen mir, wo sie konnten. Dadurch habe ich mich schnell eingelebt und eingearbeitet.

Mit dem Geld, welches wir während des FÖJs bekommen, kommt man schon aus, aber größere Sprünge müssen dann doch gut geplant sein, zumal man ab diesem Jahr ja auch noch das Mietgeld beantragen muss, da das uns zugeteilte Mietgeld in meinem Fall nicht ganz ausreicht. Irgendwie klappt es aber halt doch immer, da ich zum Glück auch ein sehr sparsamer Mensch bin. Aufgrund dessen ist es sogar möglich gewesen, dass ich im Moment meinen Führerschein machen kann.

Ich hoffe also, dass dieses Jahr genau so weiter geht, wie es momentan läuft und dass ich noch mehr neue Erfahrungen sammeln kann.